
Ein molekulares Verständnis der Mechanismen und Funktionsweisen komplexer Lebensvorgänge und damit auch die Entwicklung neuer Therapie-Ansätze für menschliche Organerkrankungen kann im nächsten Jahrzehnt nur durch die systematische Zusammenführung von Forschungsexpertisen aus den Naturwissenschaften und der Medizin international kompetitiv erfolgen. Eine solche Zusammenführung multipler Fachdisziplinen ist an der Universität Bonn bislang durch die räumliche Zersplitterung der einzelnen Institute und wissenschaftlichen Arbeitsgruppen nur eingeschränkt möglich gewesen. Um den Standort Bonn zu einem Schwerpunkt der biomedizinischen Forschung mit internationaler Ausstrahlung auszubauen, wurde ein interdisziplinäres, zentral an der Universität Bonn angesiedeltes Zentrums für „Life and Medical Sciences“ (LIMES) errichtet.
Im LIMES-Biozentrum werden Arbeitsgruppen aus der Biologie, der Chemie, der Pharmazie und der Medizin „unter einem Dach“ interdisziplinäre Grundlagenforschung, Lehre und Nachwuchsförderung in den zentralen und komplementären Bereichen der Naturwissenschaften und der Medizin durchführen und an fakultätsübergreifenden Schwerpunktthemen der Universität Bonn forschen. Dazu zählen insbesondere die Medizinische und Kombinatorische Chemie, die Bioorganische Chemie, die Molekulare Zell- und Entwicklungsbiologie, die Genetik, die Immunbiologie, die Lipidbiochemie und -analytik, die pharmazeutische Entwicklung von Wirkstoffen und Hochdurchsatz-Screening-Verfahren und die Erforschung der molekularen Grundlagen menschlicher Organerkrankungen mit Hilfe von transgenen Tiersystemen (Maus, Fruchtfliege). Die Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppen des LIMES-Zentrums sind durch die Einrichtung der Sonderforschungsbereiche 645 und 704 und des Graduiertenkollegs 804 dokumentiert. Begleitend zur gemeinsamen Forschung ist von den LIMES-Gruppen der innovative Studiengang Molekulare Biomedizin zum WS 2003/2004 mit großem Erfolg eingeführt worden.

LIMES-Gebäude
Neuberufungen in den Fachgebieten Membranbiologie, Molekulare Immunologie, Genetik und Biochemie und mehrere unabhängige Nachwuchsgruppen sind räumlich ins Zentrum integriert worden. Im Unterschied zu anderen Biozentren der Region Köln/Bonn, die ihren Fokus auf die Zusammenführung biologischer Fächer gelegt haben, greift das Bonner LIMES-Biozentrum mit seinen Arbeitsgruppen das erfolgreiche Modell eines interdisziplinäreren Zentrums der Biomedizin und Biotechnologie auf, wie es zum Beispiel am IMP Wien oder am Campus Großhadern in München realisiert wurde.
Im LIMES-Biozentrum, das im Endausbau ca. 9.100 m2 umfassen wird, soll in zwei Baustufen errichtet werden und insgesamt 19 biowissenschaftlich-orientierte Arbeitsgruppen zusammenführen. Das Zentrum befindet sich in Bonn-Poppelsdorf (Carl-Troll-Straße 31) in räumlicher Nähe zu den vorklinischen Instituten der Medizinischen Fakultät.