
In der Bundesrepublik existieren ähnliche biomedizinische Studiengänge wie z.B. an den Universitäten Freiburg (Molekulare Medizin), Erlangen-Nürnberg (Molekulare Medizin), Würzburg (Biomedizin) und Marburg (Humanbiologie). Entsprechende Leistungen dieser Studiengänge werden anerkannt, soweit die Gleichwertigkeit festgestellt wird. Zuständig für die Anrechnung der Studienleistungen ist der Prüfungsausschuss.
Voraussetzungen für das Studium der Molekularen Biomedizin
(Zusammenstellung von Prof. Dr. Thomas Magin)
Der Studiengang Molekulare Biomedizin beinhaltet in den ersten Studienjahren eine fundierte Ausbildung in den Fächern Molekularbiologie, Bio/Chemie und Physik, die durch Mathematik sowie die medizinischen Grundlagenfächer Anatomie, Physiologie und Humanpathologie ergänzt werden. Die fundierte theoretische Ausbildung wird früh durch Seminare und Praktika ergänzt, die Studierenden unterschiedlicher Vorkenntnisse Einblicke in grundlegende und moderne Methoden geben. Im weiteren Verlauf des Studiums werden theoretische und praktische Kenntnisse im Rahmen mehrwöchiger Forschungspraktika in Arbeitsgruppen der Medizinischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät, die den Studiengang tragen, vertieft. Dabei lernen die Studierenden frühzeitig, sich selbständig mit wissenschaftlichen Fragestellungen und Konzepten zu beschäftigen.
Ausgehend von Erkenntnissen der Molekularbiologie, die gezeigt haben, dass „Schlüsselgene“ und zentrale Regelkreisläufe evolutionär stark konserviert sind, zieht die Molekulare Biomedizin Modellorganismen (Fadenwurm, Fruchtfliege, Maus) zur Funktionsanalyse heran. Zur Aufklärung der Proteinfunktion und -interaktion nutzt sie Mutanten, kleine Moleküle, in vivo-, Zellkultur- und in vitro-Modelle, die mit einer Vielzahl analytischer und Synthesemethoden kombiniert werden. Neben Hochdurchsatzmethoden, die für die Gewinnung von Daten wichtig sind, gewinnen hypothesengetriebene Ansätze eine immer größere Bedeutung.
Der Studienanfänger muss die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen. Er muss Sachverhalte klar und verständlich sowie stilistisch, grammatikalisch und orthographisch einwandfrei darstellen können. Das bereits im Studium, insbesondere aber im späteren Berufsleben praktizierte interdisziplinäre Arbeiten macht eine ausgeprägte Kommunikations- und Dialogfähigkeit notwendig.
Zusätzlich ist die Kenntnis des Englischen im Schriftlichen und im Mündlichen erforderlich, da Englisch zur internationalen Fachsprache geworden ist. Große Teile der Fachliteratur und viele wichtige Lehrbücher sind in englischer Sprache erschienen. Fortgeschrittene Lehreinheiten des Studiengangs werden nur in englischer Sprache angeboten.
Studierende der Molekularen Biomedizin zeichnen sich durch eine besondere Neugier an den Vorgängen in der Natur aus. Vorurteilslosigkeit, Abstraktionsfähigkeit, methodisches und logisches Denken und ausgeprägte Beobachtungsgabe sind einige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Problemstellungen. Der Studienanfänger sollte in der Lage sein, mit Phantasie und Kombinationsgabe bildhaft und in Modellen zu denken und umgekehrt, aus exemplarischen Beispielen auf allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten zu schließen.
Der zukünftige Biomediziner muss Einzeldaten speichern und rasch abrufbar parat haben, um auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen tätig sein zu können. Ein geschultes Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit sind daher studien- und berufsdienliche Eigenschaften.
Das Studium der Molekularen Biomedizin beinhaltet eine intensive Beschäftigung mit wissenschaftlichem Schrifttum (Zeitschriften, Monographien) und Vorträgen.
Für die schriftliche Formulierung wissenschaftlicher Ergebnisse ist die Fähigkeit zur schriftlichen und graphischen Darstellung gekoppelt mit räumlichem Vorstellungsvermögen notwendig. Kenntnisse im Umgang mit Computern, Grafik, Bioinformatik, Statistik sind von hohem Nutzen.
Zum Studium der Molekularen Biomedizin gehört die Anwendung eines breiten Methodenspektrums, das von Methoden der Biochemie, Zellbiologie, Pharmazie, Genetik und Anatomie bis zur Bioinformatik reicht. Manuelle Geschicklichkeit und Ausdauer sind beim Experimentieren ebenso wichtig wie der Umgang mit zum Teil sehr komplizierten Apparaturen und sehr kleinen Mengen.
Das Studium der Molekularen Biomedizin kann nur mit hoher Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit erfolgreich gestaltet werden. Begeisterungsfähigkeit, Freude am Lernen und konstanter Fleiß ermöglichen es, die Anforderungen im Studium des engeren Faches und der angrenzenden Gebiete zu bewältigen.
Beim naturwissenschaftlichen Arbeiten liegt die Erfolgsquote häufig recht niedrig. Das experimentelle Arbeiten insbesondere in der anfänglichen Lernphase, jedoch auch im späteren Berufsleben, ist mit Rückschlägen und negativen Ergebnissen gekoppelt. Dies stellt erhebliche Anforderungen an die Belastbarkeit und das Durchstehvermögen; zähes Arbeiten ist für eine erfolgreiche Problemlösung unabdingbar.
Der wissenschaftliche Fortschritt lebt vom kritischen Vergleich der eigenen mit der fremden Leistung. Daher muss der Studienanfänger insbesondere gegenüber der eigenen Leistung selbstkritisch sein. Intellektuelle Redlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kollegialität und der Wille zur Zusammenarbeit kennzeichnen die spätere Teamarbeit. Die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit setzt soziale Kompetenz voraus.
Für die Aufnahme eines Studiums überhaupt wie auch des Studiums der Molekularen Biomedizin ist die beste Voraussetzung eine breite Allgemeinbildung, wie sie im Fächerkanon weiterführender Schulen angelegt ist. Ein Fundament allgemeiner Kenntnisse und Einsichten in die großen Wirklichkeitsbereiche von Kultur, Natur, Gesellschaft und Technik sollte in der Vorbereitung auf wissenschaftliche Studien geschaffen sein. Beim Studium der Molekularen Biomedizin kommt den naturwissenschaftlichen Fächern sowie den Sprachen Deutsch und Englisch eine besondere Bedeutung zu. In Ergänzung hierzu sind die geisteswissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer zu sehen. Auf diese Weise wird bereits in der schulischen Vorbildung die Fähigkeit und Bereitschaft geweckt, über das Einzelfach hinaus den Zusammenhang aller Fächer im Blick zu haben. Dies ist für das Studium eine wichtige Vorgabe, weil sich die Molekulare Biomedizin wesentlich mit interdisziplinären Fragestellungen beschäftigt.
Die Molekulare Biomedizin vereinigt Mathematik, Informatik, Physik, Biologie, Biochemie, Pharmazie und Medizin; aus diesem Grund sind gute Grundkenntnisse in den einschlägigen Schulfächern notwendig. Insbesondere am Studienanfang erleichtern gute Grundkenntnisse in anorganischer und organischer Chemie, des stöchiometrischen Rechnens, der einfachen Arbeitstechniken im Labor sowie Freude an molekularen Mechanismen den Übergang zum Unterricht an der Universität.
Darüber hinaus benötigt der Studierende gute Grundkenntnisse in Mathematik (z.B. Dreisatz, analytische Geometrie, Logarithmen, Potenzen, Differential- und Integralrechnung) und Physik. Dabei ist die Befähigung zum anwendungsbezogenen Rechnen wichtiger als die Beschäftigung mit abstrakt-mathematischen Problemen.
Ca. 80 Prozent aller wissenschaftlichen Literatur, zum Teil bereits Lehrbücher des Haupt- und Graduierten-Studiums, liegen in englischer Sprache vor; die internationale Konferenzsprache ist gleichfalls Englisch. Ein Studienanfänger muss daher gute Kenntnisse der englischen Sprache in Schrift und Wort besitzen. Grundkenntnisse in anderen Sprachen (z.B. Französisch, Spanisch) sind während des Studiums und im späteren Berufsleben nützlich. Fortgeschrittene Studierende sollten spätestens beim „Master“-Abschluss in der Lage sein, auf dem gewählten Fachgebiet die englische Sprache in Wort und Schrift korrekt zu handhaben.
Für ein schulisches Fächerprofil werden nachfolgende Empfehlungen gegeben:
Aus der Sicht des Universitätsfaches Molekulare Biomedizin sind neben dem Schulfach Biologie die Fächer Chemie, Physik, Mathematik, Deutsch und Englisch wichtig.
Diese Fächer sollten bis zu den beiden letzten Jahrgangsstufen unterrichtet und nicht durch andere Fächer „substituiert" worden sein.
Mindestens in den Fächern Biologie, Chemie, Physik und Englisch sollte die Abschlussnote „sehr gut bis gut" lauten, die übrigen Fächer sollten nicht schlechter als „gut " bewertet sein, Auch für die nachfolgend genannten Fächer sollte Entsprechendes gelten.
Drei der fünf Fächer sollten Teil der schriftlichen bzw. mündlichen Abiturprüfung sein.
Als weiteres Fach der Abiturprüfung ist Geschichte oder ein anderes Fach des sozialwissenschaftlichen Aufgabenfeldes zu wählen.
Neben diesen sechs Fächern ist es aus der Sicht des Universitätsfaches Molekulare Biomedizin wünschenswert, dass die Fächer Informatik (gute Grundkenntnisse in EDV) und eine weitere Fremdsprache als Grundkurse belegt werden.
Mit diesem Fächerprofil ist sichergestellt, dass gemäß den Vorgaben der Kultusministerkonferenz die drei Aufgabenfelder im Unterricht der Oberstufe des Gymnasiums und in der Abiturprüfung abgedeckt sind. Die Empfehlungen schließen freilich die Wahl anderer Fächer der persönlichen Neigung und Begabung nicht aus.
Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Studienverlauf ist die Freude am Fach Molekulare Biomedizin und generell an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen. Während der Gymnasialzeit sollte die Fächerwahl im naturwissenschaftlichen Bereich möglichst breit sein; die Abwahl von naturwissenschaftlichen Fächern kann sich negativ im Studienverlauf auswirken.
Die Teilnahme an extrakurrikularen Aktivitäten (z. B. „Jugend Forscht“ oder Praktika an Universitäten oder in Forschungsinstituten) kann sich positiv auf die Entscheidung für das Studium auswirken, ist allerdings keine Vorbedingung für die Aufnahme des Studiums. Leistungskurse in der Biologie oder Chemie sollten selbstverständlich sein, auch entsprechende Kurse in Mathematik und Physik oder Englisch haben gleichfalls positive Einwirkungen auf den Studienverlauf. Die Ableistung fachspezifischer Praktika vor Studienbeginn ist nicht obligatorisch.
Die vorstehenden Abschnitte bieten bereits eine Fülle von Informationen, die es dem Schüler erleichtern, seine Studienwahl zu treffen und bereits während der Oberstufenzeit durch geeignete, möglichst breite Anlage der Schulfächer eine gute fachliche Vorbereitung auf den Studienbeginn zu erreichen. Der beste Rat für den Studienanfänger: Von Anfang an alle Unterrichtsveranstaltungen besuchen und mit Lehrbüchern den Unterrichtsstoff konsequent nacharbeiten. Ein Teil der Nacharbeitung kann in der vorlesungsfreien Zeit erfolgen, in der auch eine Vorbereitung auf das bevorstehende Semester stattfinden soll. Informationsveranstaltungen an Universitäten sollten unbedingt genutzt werden.
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